Unser Opa am Bau

30.06.07

Permalink 22:32:30, von Matthias Email , 464 Wörter, 459 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Sonstiges

Unser Opa am Bau

Hin und wieder steht er urplötzlich vor der Tür, schafft schlagartig Panik und raubt einem die Zeit. Man möcte ihm alles erklären, aber so oft man es auch tut, kurz danach ist alles wieder weg und er weiß gaaanz genau, daß es gaaaanz anders ist.

Seine Effektivität ist sehr gering und das Gefährdungspotential, das von ihm ausgeht, ist extrem hoch.

  • Wer auf einer laufenden und im Eingriff befindlichen Unterflur-Zugsäge das Schnittholz anhebt und abbrechen will, weil es kurzfristig geklemmt hat, gefährdet sich und den Sägeführer extrem.
  • Wer in laufende Bohrmaschinen greift, um mal eben unaufgefordert den erahnten, angeblich zu niedrigen Anpressdruck zu erhöhen
  • wer dem Führer einer Stichsäge mitten im Schnitt in vermeintlich 'weiser Voraussicht' das Werkstück dreht

ist ein Idiot Risiko.

  • Wer unter einem im Abbau befindlichen Gerüst nach mehrfacher lauter Ansage, daß Gerüstschellen herabgeworfen werden und zurückgetreten werden muss, dies Ansage bestätigt und dann ohne Schutzhelm zur zuerst gelandeten Schelle spurtet, um sie aufzusammeln,

der ist schlicht untragbar für eine Baustelle.
Als Bauherr und Verantwortlicher Bauführer gefriert mir das Blut in den Adern, wenn ich solche Szenen erleben muss; da werde ich unruhig und kann weder ruhig und konzentriert arbeiten noch schlafen.
Dazu noch diese unerträgliche permanente Besserwisserei und Rechthaberei von jemandem, der Dachrinnen in Wände einbaut und an seinem Mietshaus für jedermann offensichtlich ausnahmslos gestümpert hat, das hält niemand aus.
Ich bleibe inzwischen zeitweise verschont nachdem ich ihn einige Male energisch in seine Schranken gewiesen habe. Sobald ich ihm jedoch den Rücken kehre, 'übernimmt' er die Bauleitung und weist erstmal alle Personen an, zu tun, was er sch denkt.
Für alle Anwesenden ausser ihn ist die Sinnlosigkeit der Anweisungen absolut klar, aber ise müssen es sich anhören, weil es vom Opa kommt. Das läßt natürlich die Baustellenmoral und Effektivität aller Helfer extrem absinken.
Ich fürchte ich werde den unausweichliche nSchritt tun müssen, ihm mitzuteilen, daß wir lieber ohne ihn am Haus arbeiten möchten.

Geringe Effektivität, Zeiträuber, Demotivator, Demoralisator, extremes Gefahrenpotential - geht das? Darf man das hinnehmen 'nur' weil es der eigene Vater ist. Ich gelange immer mehr zur Antwort 'Nein'! Er muss einfach erkennen, daß er seit gut 15 Jahren aus dem Baugeschäft raus ist, daß er nicht mehr der jüngste ist und nie mals ein wirklicher Profi war. Das fällt natürlich schwer, aber lieber er muss es erkennen als daß ich mir nach einem schweren Arbeitsunfall den Rest meines Lebens schwere Vorwürfe machen muss.
Er muss einfach erkennen, daß ein 68-jähriger an Parkinson leidender, die Technik ablehnender Mensch es nicht mit einem 16-jährigen hochmotivierten Technik-Fan aufnehmen kann.

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