Toter Raum gedämmt. - Leichenschändung?

20.05.08

Permalink 23:16:53, von Matthias Email , 756 Wörter, 434 Ansichten   German (DE)
Kategorien: 010 Planung Hausbau Vorbereitung, 080 Aussenhaus / Fassade, 063 - Wintergarten, 150 Werkzeug

Toter Raum gedämmt. - Leichenschändung?

Der tote Raum neben der Loggia war ja schon öfters Thema hier. Wahrscheinlich weil wir uns jedesmal über die viele Arbeit ärgern, die er immer wieder verursacht. Nachdem die Abende der letzten Woche zum Dämmen der Südost (K) Seite des Aussenhauses genutzt wurde, war der tote Raum als extrem zeitraubende Frickelarbeit übrig geblieben. Links muss an die Fensterelemente der Loggia angeschlossen werden, oben an den Wintergarten-Dachunterbau. Beides keine Heldentat, aber allein dort vom Gerüst aus hinzukommen ist eine Herausforderung. Richtig fies ist dann die Wange zum Dach hin: von unten Schiefer über dem Dachsparren, Ortgangziegel, und nach oben der noch fehlende Schiefer an der Wange als Begrenzung.
Und dann müssen die Holzfaserdämmplatten in zwei Richtungen Nut-Feder verbunden werden. Gestern bereits hatten wir die Platten mit Dachschrägen etc. zugesägt.
Mit Stichsäge, Dämmstoffmesser, Raspel und Winkelschleifer mit HM-Sägeblatt bin ich heute erneut den Dämmplatten zu Leibe gerückt um die gewünschte Form mit möglichst kleinen Schlitzen (damit das einzubringende Kompriband sie möglichst komplett schließt) an angrenzende Bauteile herzustellen. Dreieinhalb Stunden hat es gedauert bis der tote Raum aussen geschlossen, alle Kompribänder angebracht, alle Platten angetackert und der seitliche Anschluss für die morgige Schieferung der Wange vorbereitet war. Ha - fertig!
Aber auf der anderen Wintergarten-Seite gibt es das gleiche Drama nochmal :-(

Ein farbiger Lichtblick noch: Heute wurde der Marmorit Noblo Oberputz für die Fassade geliefert. Drei mm Körnung und nach Chris' Wünschen eingefärbt. Die Palette mit den Säcken ist noch mit transparenter Folie regenfest verschweißt, die lassen wir erstmal zu - aber aus einem Sack ist sichtbar etwas Material herausgerieselt - Donnerschlag - in Kürze wird man uns "Villa Knallig" nennen! Da hat sich jemand mit der Farbe aber ganz hübsch verdaddelt. Foto folgt in ein paar Tagen.

Werkzeugzuwachs werden wir in Kürze auch verzeichnen: Immer wieder als sehr arbeitsintensiv und zeitaufwändig erwähnt wird das Verschleifen der Gipsplatten beim Innenausbau (siehe bei Lachners). Unsere Erfahrungen mit der Loggia-Wand gehen ja auch in diese Richtung. Daher hatte ich mich in den letzten Nächten mal mit der aktuellen Technik zur Arbeitserleichterung befasst. Fazit: Ein Langhalsschleifer muss her. Damit kann man ohne Gerüst, Bohlen etc. Wände bis ganz oben, Dachschrägen und Decken abschleifen. Gebraucht geht da anscheinend gar nichts, also ein Neugerät. Hier scheinen die "üblichen" Bio-Solar-Haus Selber-Bauer immer mit Schwing-, Exzenter- oder Dreick-Schleifern zu Werke zu gehen.
Bei uns würde das auf die zweiköpfige Damenfraktion entfallen. Da wir einen wirklich diffusionsoffenen** Lehmstreichputz direkt auf die verklebten und lediglich gespachtelten Fermacellplatten aufbringen wollen, müssen die Oberflächen besonders hochwertig sein. Wochenlanges Schleifen wäre die Folge! Von Festoool gibt es eine interessante Neuerung: Der Festool Planex LHS-225. Ein richtig gut durchdachtes Teil! 22,5cm Schleifteller und selbstansaugend spart er gegenüber anderen Langhalsschleifern immens Kraft. Der Preis sorgte allerdings für ein kurzfristiges Koma! Deutlich über eintausend Öcken die nackte Maschine! Huuuuuh!
Aber die geschädigte Bauherren-Schulter und die nachfolgende Baustelle altes Wohnhaus sind weitere gute Investitionsgründe.

** Diffusionsoffen sind die Wandbekleidungen heute fast alle. Glauben wir den bunten Werbeheftchen ja auch. Aber wenn man sich mal die erforderliche Untergrundvorbehandlung ansieht, mögen zumindest wir weniger an "diffusionsoffen" als an "Chemiewaffenlager" glauben. Diverse Tiefengründe, Sperr-, Quarz- und Putzgründe sollen da zur Egalisierung von Saugverhalten
und Vermeidung von Schattierungen infolge Farbdurchschlages aufgetragen werden.
Dieses Zeugs ist nicht gerade billig, fraglich diffusionsoffen, kaum gesundheitlich bedenkenlos und ... teuer! Außerdem kostet jeder Arbeitsgang Kraft und Zeit.
Die für Cellulose-Flocken (Flüssige Tapete) geforderte Vorbehandlung von Gipskartonplatten sieht so aus: Verspachteln, Schleifen, 2x Acryl-Tiefengrund LF, 2x Spezialgrundierung. Nicht wenig Chemie - aber sonst keinerlei Garantie!
Unsere Überlegung: Suche nach einer wirklich diffusionsoffenen, preiswerten Wandbeschichtung ausschließlich aus Naturstoffen hergestellt mit möglichst geringen Anforderungen an chemische Untergrundvorbehandlung. Gefunden!
Und auch die finanzielle Seite ist hochinteressant: Wir würden überall 12,5 mm Gipsfaserplatten (GFP) verwenden. Auch an den Außenwänden, wo sonst im BSH aus Kostengründen 9,5mm Gipskartonplatten (GKP) eingesetzt werden.

  • - Die GF Platten sind teurer als GKP
  • - höhere Dichte
  • - Platten wg. höheren Gewichts schlechter zu handhaben
  • - GFP liessen sich mit Magazinschrauber schlecht auf Metallständer schrauben
  • o Kleberkosten sind in etwa gleich
  • + Es wird nur 1/4 Spachtelmasse benötigt
  • + Kosten für jegliche Grundierung entfallen
  • + vier Streich-Arbeitsgänge und entsprechendes Werkzeug sowie Abkleben etc. entfallen
  • + Endbeschichtung ist preiswerter
  • + Keine zusätzliche Chemie im Wohnraum
  • + bessere Schalldämmung
  • + höhere mechanische Stabilität
  • + kein Pappbeschichtung - kein Farbdurchschlag

Das hat uns überzeugt!

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